Energiekosten: Pure Panikmache?

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In einer neuen Studie des Forschungsnetzwerks Climate Strategies unter Mitwirkung des Deutschen Instituts  für Wirtschaftsforschung kommen führende europäische Klimaökonomen zu dem Schluss: Die Energiekosten hätten nur bei einem kleinen Teil der europäischen Industrie großen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit.

Nur acht Prozent der deutschen Industrieunternehmen bekämen bei steigenden Preisen ernsthafte Probleme.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen hängt den Berechnungen zufolge vor allem von den Kosten für Kohle, Gas und Öl ab. Bei diesen Energieträgern gebe es die weitaus größeren Preisdifferenzen. So habe der Schiefergas-Boom in den USA, die weltweite Rezession und steigende Nachfrage aus die Preisunterschiede beim Erdgas noch einmal deutlich verschoben. Im europäischen Durchschnitt kostet Gas derzeit beinahe dreimal so viel wie in den USA. Auch bei Kohle hätten die USA einen Preisvorteil – wobei die Studie nicht auf den indirekten Effekt der fossilen Brennstoffe auf den Strompreis eingeht.

Während Oettinger und Gabriel vor zu hohen Strompreisen warnen, betonen die Autoren des Reports etwas anderes: Europa tue gut daran, mit seinen Anstrengungen gegen den Klimawandel weiterzumachen – sonst verliere es den Anschluss gegenüber den USA und Asien. Bei der Energieeffizienz und Innovationsfähigkeit in diesem Bereich gehörten einige europäische Länder zwar nach wie vor zur Spitzengruppe. Hohe Energiepreise seien sogar von Vorteil, denn Länder mit höheren Preisen seien in der Regel auch energieeffizienter.
Andere holen auf – und das ist auch gut!

Doch die internationale Konkurrenz hole auf, schreiben die Experten. „Zurückzufallen würde Europa viel stärker der Volatilität der internationalen Rohstoffmärkte aussetzen“, heißt es in der Studie. Gerade, indem der alte Kontinent auf dem Weg zu einer emissionsarmen Wirtschaft in der Gruppe der führenden Länder bleibe, könne Europa wirtschaftlich profitieren. Weil sich die europäischen Staaten selbst nicht ausreichend mit fossilen Brennstoffen versorgen können, sei die Förderung von Energieffizienz und erneuerbaren Energien der richtige Weg. Die wirtschaftliche Erholung der Euro-Zone und die Klimapolitik könnten und sollten sich deshalb gegenseitig verstärken.